Meckenbeuren, 22.07.2021, von Weiffenbach/Prigge

Wenn Helfer Hilfe brauchen.

Oliver Weiffenbach, Mitglied des THW ENTs und ENDs, aus dem THW OV Friedrichshafen berichtet von seinen jüngsten Einsatzerfahrungen.

Oliver Weiffenbach ist neben seiner Gruppenführertätigkeit in der Fachgruppe Schwere Bergung (THW Ortsverband Friedrichshafen) ehrenamtlicher Angehöriger des Einsatznachsorgedienstes (END) Bodenseekreis und des Einsatznachsorgeteams (ENT) Baden-Württemberg des Technischen Hilfswerks.

 

Du hast einsatzreiche Tage hinter Dir. Wo und wie lange warst Du an den Einsatzstellen?

Am Donnerstag, den 15.07.2021, erfolgte morgens die Alarmierung des gesamten ENT-Teams Baden-Württemberg. Abends bin ich dann nach Koblenz ausgerückt.

Nachdem am Freitagmorgen die Einsatzaufträge verteilt waren, rückten die einzelnen ENT-Trupps in die festgelegten Einsatzgebiete aus. Mein Team und ich waren u.a. im Raum Ahrweiler sowie in einem der Bereitstellungsräume eingesetzt. Ich bin am Samstag gegen 17.00 Uhr wieder im OV Friedrichshafen gewesen.

Am Samstagabend wurde ich dann wieder alarmiert und bin am Sonntagmorgen Richtung Böblingen ausgerückt. Am Nachmittag bin ich wieder heimgekommen.

 

Was sind Aufgaben der ENTs?

Im Einsatzfall sind unsere Aufgaben die Einsatzbegleitung der Einsatzkräfte. Wir stehen für Einzel- und Gruppengespräche zur Verfügung und bieten diese aktiv an. Unser Ansatz ist aber auch Information und Beratung im Rahmen der psychosozialen Prävention für Einsatzkräfte.

 

In der Struktur des ENTs gibt es verschiedene Funktionen. Welche bekleidest Du und was waren Deine Aufgaben?

Das ENT verfügt über zwei Funktionen: 1.) die psychosoziale Fachkraft 2.) die Peers. Die psychosoziale Fachkraft leitet bspw. die Gespräche und verfügt über die notwendige berufliche Ausbildung und Erfahrung. Weiterhin leitet die psychosoziale Fachkraft das ENT-Team und sucht für den Einsatz passende Peers aus. Die Peers bilden somit das Team um die psychosoziale Fachkraft und legen ihren Fokus verstärkt auf das sog. „aktive Zuhören und Verstehen“, aber auch auf Themen, wie bspw. die Belastungsreaktionserkennung. Bei Bedarf können die Peers aber auch Einzelgespräche führen. Kein Einsatz ist gleich, sondern das Vorgehen und die Aktivitäten werden immer situativ durch die psychosoziale Fachkraft entschieden.

 

Wann genau rückst Du aus und wie verläuft die Alarmierung? Wie müssen wir uns Deinen Einsatz vorstellen? Packst Du mit an oder bist ausschließlich als ENTler vor Ort?

Anders als bei meiner Gruppenführertätigkeit werden wir nicht über einen Funkmeldeempfänger (Piepser) alarmiert, sondern per Telefon. Wann immer Helfer uns brauchen, sind wir da, so unterscheiden wir zwischen zeitlich planbaren Einsätzen und nicht planbaren Einsätzen.

Wenn ich als ENTler alarmiert werde, bin ich nur als ENTler vor Ort und werde nur meine ENT-Tätigkeit ausüben. Meine Einsatztätigkeiten kann man nicht pauschal definieren, da es immer situativ entschieden wird. So können wir bei verschiedenen Anforderungen den Einsatzkräften verschiedene Unterstützungsleistungen anbieten, z.B. Einsatzbegleitung, Nachgespräche, Kurz-, Einzel- und Gruppengespräche.

 

Woran erkennt man Angehörige des ENTs im Einsatzfall? Kann sich jede THW-Einsatzkraft an Euch wenden?

Wenn wir in Uniform bzw. Einsatzanzug unterwegs sind, dann tragen wir einen deutlich erkennbaren Ausweis. Sofern wir keine Uniform tragen, bspw. im Rahmen von zeitlich versetzten Nachbesprechungen, tragen wir ENT-Poloshirts oder -Jacken. Jede Einsatzkraft des Technischen Hilfswerks kann sich jederzeit persönlich oder auch über die Rufbereitschaft an das zuständige ENT-Team wenden. Wir sind da.

 

Ist Euer Einsatz auch mit dem offiziellen Einsatzende beendet?

Nein, je nach Intensität der Einsätze können weitere Gespräche nach dem Einsatz notwendig sein. Weiterhin verarbeitet jeder Mensch belastende Situationen individuell, sodass wir unsere Unterstützung und die jeweilige Dauer darauf anpassen.

 

Wie gehst Du selbst mit dem Erlebten um?

Ich bzw. wir können jederzeit eine Supervision in Anspruch nehmen, d.h. wir können uns selbst Beratung hinzuziehen. Jedes ENT-Mitglied hat individuell eine „Taktik“ mit dem Erlebten umzugehen und dieses zu verarbeiten.

 

Bereitet Ihr die KameradInnen auf belastende Einsätze vor?

Ja, die Grundausbildung hat das Thema belastende Einsätze im Lern-Curriculum als Pflichtthema integriert. In unserem Ortsverband bieten wir den Einsatzkräften regelmäßig eine entsprechende Schulung bzw. Auffrischung an.

 

Nun bist Du nicht nur im Einsatznachsorgeteam des THWs (ENT), sondern auch im Einsatznachsorgedienst des Bodenseekreises (END). Wie unterscheiden sich die beiden.

Im ENT bin ich hauptsächlich für THW-Einsatzkräfte in Baden-Württemberg tätig. Im END hingegen ist das Gebiet der Bodenseekreis, jedoch ist es nicht auf THW-Einsatzkräfte beschränkt, sondern umfasst alle Organisationen. Das END-Team besteht aus KameradInnen der Feuerwehr, der weißen Einheiten und nicht BOS-Angehörigen bspw. Pfarrer und Diakone.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

 

 

 

Weiterführende Links:

Einsatznachsorge im THW Ortsverband Friedrichshafen

Einsatznachsorge im THW Baden-Württemberg

Einsatznachsorge im Bodenseekreis

 

Downloads

 Download des ENT Flyers

 


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